Die Freien Französischen Seestreitkräfte (FNFL)

 

DR

Im Grunde ist es nur eine Handvoll Matrosen, die sich mit Admiral Muselier an der Spitze auf den Aufruf von General de Gaulle hin gemeldet hat. Siebentausend bemannen rund zehn Kampfeinheiten und zweitausend weitere etwa sechzig Handelsschiffe. Die Marine des Freien Frankreich, mag sie auch größenmäßig sehr bescheiden sein, legte sofort eine große Leistungsfähigkeit an den Tag. Die FNFL stehen Seite an Seite mit der Royal Navy in den schwierigen Jahren 1941/42, als der Ausgang noch in den Sternen steht, der Feind an allen Fronten – Atlantik, Ärmelkanal, Mittelmeer – Erfolg um Erfolg einheimst. Nach Kriegseintritt der UdSSR, Japans und der Vereinigten Staaten begegnet man den Seeleuten des Freien Frankreich auf allen Meeren und Operationsgebieten.

 

 

 

 

Die Bilanz der FNFL kann sich sehen lassen:

Der Ehrenplatz gebührt den Handelsschiffen, die einen großen Beitrag zum Sieg geleistet haben; hier sei beispielhaft nur an die Fort Binger erinnert, die ein feindliches U-Boot mit der Bordkanone verjagt, an die Franche Comté, die auf hoher See unermüdlich die Geleitzugbegleitschiffe versorgt, an die Indochinois, die wegen ihrer regelmäßigen Alleinüberquerungen den Spitznamen „Trambahn des Atlantik“ trägt und unter ständigem Beschuss eine Million Tonnen Fleisch zu den Einwohnern der Insel Malta bringt, die seit zehn Monaten fast keines mehr gesehen haben, oder die Félix Roussel, der es unter dem Kugelhagel der Japaner gelingt, tausend Frauen und Kinder aus Singapur zu evakuieren.

Die Zerstörer, Torpedoboote, schnellen Aufklärer, Fregatten, Korvetten und Patrouillenboote spielten eine wichtige Rolle in der Atlantikschlacht, von der Churchill sagte: „Diese Schlacht musste unter allen Umständen gewonnen werden, denn ohne diesen Sieg hätte es weder weitere Schlachten noch weitere Siege gegeben.“ Vier deutsche U-Boote werden offiziell versenkt: die U-136 durch Léopard, U-432 und U-444 durch Aconit, U-609 durch Lobélia. Im Verlauf des Krieges gingen unsere Überwasserschiffe über fünfzig Mal mit Wasserbomben gegen U-Boote vor; sie verursachten damit beträchtliche Schäden und haben unzweifelhaft Teil an feindlichen Verlusten, die ihnen von Amts wegen nicht zugerechnet werden.

Besonders aktiv waren die französischen U-Boote:

Rubis führte 28 Kriegseinsätze durch und verlegte 683 Minen, auf deren Konto der Verlust von 16 Feindeinheiten geht.

Minerve und Junon fuhren zahlreiche Patrouillen an der norwegischen Küste auf der Suche nach den Panzerkreuzern Bismarck und Tirpitz oder bei gefährlichen Sondereinsätzen, bei denen sie Geheimagenten absetzten.

Curie zeichnete sich im Mittelmeer aus, wo es auf seiner 13. Patrouillenfahrt binnen weniger Stunden gleich drei Frachtschiffe versenkte.

Die U-Boot-Jäger operierten im Ärmelkanal und in der Themsemündung in vorderster Linie und kamen bei den Landungen in Brunevall und Dieppe zum Einsatz.

Ab März 1943 ging die 23. Schnellbootflottille im Ärmelkanal ins Gefecht. Die Schnellboote sollten an den Küsten Frankreichs feindliche Geleitzüge und Patrouillen abfangen und zerstören. Dieses Auftrags entledigten sie sich glänzend, indem sie mehr als zwanzig feindliche Schiffe versenkten oder schwer beschädigten.

Besonderen Ruhm erwarben sich die Marineinfanteristen. Das 1. Marinefüsilierbataillon (BFM, später in 1. RFM umbenannt) kam an der Seite der 1. Marinefüsilierdivision zum Einsatz und teilte sich mit ihr in die Erfolge bei Bir Hakeim, in Afrika, Syrien, Italien und Frankreich. Die Kommandoeinheiten des 1. BFM beteiligten sich an zahlreichen verdeckten, aber gefährlichen Einsätzen an den britisch-normannischen Inseln, an den Küsten Frankreichs, Belgiens und Hollands und taten sich natürlich am 6. Juni 1944 in Ouistreham hervor.

Ende 1943 wurde die Marinefliegertruppe mit der 6. Aufklärungsflottille (FE) operativ. In ihren Reihen zählte sie viele, die sich schon während der Schlacht um England und bei Dieppe mit der Luftmarinegruppe, der berühmten Squadron 340, in den Luftkämpfen über dem Ärmelkanal mit Ruhm bedeckten.

Bei der Landung in der Normandie wirkten mit: Die Kommandoeinheiten des 1. BFM, der Panzerkreuzer Courbet, La Combattante, vier Fregatten, vier Korvetten, sechs U-Boot-Jäger und acht Schnellboote. Anschließend wurden die meisten Einheiten bei der Zerschlagung der Widerstandsnester am Atlantik aktiv.

Neben der Versenkung der bereits genannten U-Boote und Überwasserschiffe haben die FNFL 16 Feindflugzeuge zerstört; 6 davon gehen auf das Konto des Courbet und acht auf das Konto der U-Boot-Jäger.

Unsere Einheiten sind häufig Schiffen in Seenot zu Hilfe geeilt. Insgesamt gehen über eintausenddreihundert Gerettete auf das Konto des Freien Frankreich, wobei die Commandant Détroyat mit 322 Geretteten bei einer einzigen Aktion den Rekord hält.

Die FNFL erlitten leider auch schmerzliche Verluste. Den schwersten Blutzoll entrichtete die Handelsmarine (25 Prozent der Besatzungsstärke). Aber die Kriegsmarine steht ihr nur wenig nach, denn Léopard, Surcouf und Ch 5 gingen durch Schiffbruch unter, Narval, Mimosa, Alysse, Vikings, Poulmic, Ch 8 und La Combattante durch Feindeinwirkung. Die Leistung dieser Handvoll Männer ist und bleibt eindrucksvoll. Sie allein zerstörten mehr feindliche U-Boote, Überwasserschiffe und Flugzeuge als die ganze übrige französische Marine.