Die denkwürdige Begegnung von Colombey-les-deux-Eglises (14. September 1958)

 

DR

Nach seiner Übernahme der Regierung lädt de Gaulle Bundeskanzler Adenauer zu einem privaten Besuch nach Colombey ein. Das Treffen findet am 14. September 1958 statt. Vier Stunden tauschen sich de Gaulle und Adenauer über die weltpolitische Lage, ihre beiden Länder und das deutsch-französische Verhältnis aus. Beide sind sich einig: Die Staaten Europas müssen stärker zusammenarbeiten, allen voran die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Als der Bundeskanzler am nächsten Tag La Boisserie verlässt, hat sich seine Einschätzung des Generals gewandelt.

Am 16. September gesteht er Bundespräsident Theodor Heuss, „alle Vorurteile, die er aus deutschen Berichten und Gesprächen mit Amerikanern gehabt habe, hätte er sofort aufgeben müssen, da er in de Gaulle einem völlig anderen Mann begegnet sei.“ De Gaulle seinerseits hat die Aufgeschlossenheit und Offenheit seines Gesprächspartner geschätzt: „Wir beide aber bleiben von nun an in enger persönlicher Verbindung.“

Tatsächlich treffen sich de Gaulle und Adenauer zwischen 1958 und 1963 insgesamt 15 Mal zu Gesprächen unter vier Augen und führen eine rege Korrespondenz. Adenauer bleibt der einzige Regierungschef, den de Gaulle in seinem Privathaus La Boisserie empfangen hat.

Als die politische Einigung der EWG im Frühjahr 1962 scheitert und Adenauer zunehmend Vertrauen in die amerikanischen Politik unter dem neuen Präsidenten John F. Kennedy verliert, rückt ein deutsch-französisches Zusammengehen in den Blickpunkt.