Der Tod des Generals

DR

Charles de Gaulle starb in seinem Haus La Boisserie in Colombey-les-Deux-Eglises am 9. November 1970 um 19 Uhr 25. Der plötzliche Tod war die Folge eines von Dr. Lacheny, Arzt in Bar-sur-Aube, konstatierten Herzschlags. Yvonne de Gaulle will ihrem toten Mann ein stilles familiäres Gedenken bewahren; es gelingt ihr, sein Ableben vierzehn Stunden lang geheim zu halten; erst am 10. November um 9.40 Uhr meldet die Nachrichtenagentur AFP den Tod des Generals. Tiefe Bewegung erfasst Frankreich und die Welt.

 

Den Ablauf seiner Beisetzung hatte der General bereits 1952 in einer handschriftlichen Aufzeichnung geregelt, die er persönlich nur drei Personen aushändigte: seinem Sohn Philippe, seinem Schwiegersohn Alain de Boissieu und seinem damaligen Kabinettschef Georges Pompidou. Die Feier, so schrieb er, soll „äußerst einfach sein“; „kein Präsident, kein Minister, kein Parlamentsältester, kein Vertreter eines Verfassungsorgans“ sollen daran teilnehmen. „Von Amts wegen können nur die französischen Truppen als solche [daran] teilnehmen; aber diese Teilnahme soll sich in sehr bescheidenem Rahmen halten, ohne Musik, ohne Fanfaren, ohne Trompetensignal …“  „Keine reservierten Plätze während der Trauerfeier außer für meine Familie, meine Mitstreiter, die Mitglieder des Ordens der Befreiung und den Stadtrat von Colombey …“ Die Bevölkerung Frankreichs darf seinen Leichnam zur letzte Ruhe geleiten, sofern dies in absoluter Stille geschieht.

 

Diese Vorgaben werden genauestens befolgt. Am 12. November, kurz vor 16 Uhr, wird die sterbliche Hülle des Generals nach einem Requiem in der kleinen, engen Dorfkirche, dem die Familie, die Pfarrkinder und etwa 350 Mitstreiter eng gedrängt beiwohnen, auf dem Friedhof von Colombey-les-Deux-Eglises zu Grabe getragen. Draußen auf den Straßen und in der Umgebung des kleinen Dorfes drängeln sich 40 000 Menschen, die zum Teil im Freien genächtigt haben. Als Zugeständnis ans Zeremoniell wurde in der Dorfkirche wie in vielen Kirchen Frankreichs die Totenglocke geläutet, und da praktisch alle Souveräne und Staatspräsidenten der Welt den Wunsch äußerten, nach Paris zu kommen, wurde für sie am 12. November um 11 Uhr im Hauptschiff der Kathedrale Notre-Dame in Paris ein feierliches Requiem angesetzt. Am Vorabend hatte sich schließlich auf dem – bald darauf in „Place du Général de Gaulle“ um benannten – Place de l’Etoile in Paris spontan eine riesige, höchst inbrünstige Menge versammelt: Zehntausende Menschen aller Rassen und Herkunft waren gekommen, um im strömenden Regen am Grabmal des Unbekannten Soldaten Blumen niederzulegen, so dass es bald in einem Blütenmeer als letztem Zeugnis nationaler Eintracht versank.

 

Handschriftliches Testament „für mein Begräbnis“

Dieses handschriftliche Dokument besteht aus drei nummerierten Exemplaren: das erste erhielt Kabinettsdirektor Georges Pompidou, das zweite und dritte wurden Elisabeth und Philippe de Gaulle ausgehändigt.

 

16. Januar 1952.

Ich will, dass meine Beisetzung in Colombey-les-Deux-Eglises stattfindet. Falls ich an einem anderen Ort sterbe, muss meine Leiche ohne die geringste öffentliche Zeremonie zu mir nach Hause verbracht werden.

Ich will in dem Grab beigesetzt  werden, in dem bereits meine Tochter Anne ruht und eines Tages auch meine Frau ruhen wird. Inschrift: Charles de Gaulle (1890–….). Nichts sonst.

Den Zeremonieablauf regeln mein Sohn, meine Tochter, mein Schwiegersohn und meine Schwiegertochter unter Mithilfe meines Sekretariats so, dass er äußerst einfach ist. Ich will keine nationalen Beisetzungsfeierlichkeiten. Kein Präsident, keine Minister, kein Parlamentsältester, kein Vertreter eines Verfassungsorgans. Von Amts wegen können nur die französischen Truppen, und zwar als solche, teilnehmen; aber diese Teilnahme soll sich in sehr bescheidenem Rahmen halten, ohne Musik, ohne Fanfaren, ohne Trompetensignal.

 

Es darf keine Rede gehalten werden, weder in der Kirche noch sonst wo. Keine Leichenrede im Parlament. Während der Trauerfeier keine Platzreservierung außer für meine Familie, meine Mitstreiter und Mitglieder des Ordens der Befreiung und den Stadtrat von Colombey. Männer und Frauen aus Frankreich und anderen Ländern der Welt können, wenn sie es wünschen, meinem Andenken die Ehre erweisen, indem sie meinen Leichnam zur letzten Ruhe geleiten. Aber ich wünsche, dass es schweigend geschieht. Ich erkläre, dass ich von vorneherein jedwede französische oder ausländische Auszeichnung, Beförderung, Würde, Ehrennennung, oder Dekorierung ablehne. Würde mir eine zugedacht, so geschähe es in Verletzung meines letzten Willens.