De Gaulle während des „Drôle de guerre“ (des seltsamen Krieges) und des Frankreichfeldzugs, Mai—Juni 1940

NA-USA

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges Oberleutnant, befehligt der mittlerweile 49jährige Oberst de Gaulle 1939 seit zwei Jahren unter dem Spitznamen „Oberst Motor“ das 507. Kampfpanzerregiment.

Der „seltsame Krieg“

Am 2. September übernimmt Oberst de Gaulle das Kommando über die Panzer der 5. Armee, die im Schutz der Maginotlinie das Elsass abschirmen soll; seine Befehlsstelle liegt in Wangenburg.

In dieser auch als „seltsamer Krieg“ bekannten Zeit zwischen der Kriegserklärung vom 3. September 1939 und dem Beginn des Frankreichfeldzugs am 10. Mai 1940 steht die 5. Armee wie überhaupt das französische Heer hinter der Maginotlinie Gewehr bei Fuß.

Oberst de Gaulle versucht unentwegt, seine Vorstellungen über den Einsatz von Panzern durchzusetzen. Er tut dies zunächst an Ort und Stelle, indem er versucht, das ihm anvertraute „Stückwerkmaterial“ aufzubessern; er fordert für die Panzer Funkausrüstung an und errichtet vor allem eine Panzerausbildungsstelle der 5. Armee in Blamont. Sodann erreicht er beim Armeebefehlshaber General Bourret, dass die Panzer der 5. Armee nicht mehr bloße Begleitaufgaben für die Infanterie wahrnehmen, sondern in Verbindung mit den Divisionsbefehlshabern dem Armeebefehlshaber selbst unterstellt werden. Im Oktober 1939 hat er Gelegenheit, die Panzereinheiten der 5. Armee dem Präsidenten der Republik, Albert Lebrun, vorzuführen. Im Januar 1940 schließlich stellt er ein Memorandum mit dem Titel Die Ankunft der Panzerstreitmacht fertig, das er dem ehemaligen Ministerpräsidenten Léon Blum sowie rund 80 weiteren zivilen und militärischen Persönlichkeiten zukommen lässt, darunter auch Verteidigungsminister Edouard Daladier, der es aber für richtig hält, das Memorandum nicht zur Kenntnis zu nehmen.

De Gaulles hartnäckige Bemühungen um Durchsetzung seiner Vorstellungen veranlassen schließlich den Generalstab, eine gewisse Anzahl Panzer in vier Kürassierdivisionen zu sammeln, wobei de Gaulle selbst im Februar 1940 mitgeteilt wird, er solle sich auf die Übernahme des Kommandos über eine davon bereit halten.

 

An der Spitze der 4. Kürassierdivision

Drei Tage vor Beginn der deutschen Offensive am 10. Mai 1940, die die französische Front schnell durchbricht, wird dem Obersten de Gaulle die Entscheidung der Armeeführung mitgeteilt, ihm die 4. Kürassierdivision – die stärkste der französischen Divisionen – anzuvertrauen, deren Kommando er am 11. Mai übernimmt. Doch die Division befindet sich erst in der Aufstellung; ihre Einheiten haben noch nie gemeinsam operiert.

Am 15. Mai erhält er den Befehl, den Feind bei Laon aufzuhalten, damit die 6. Armee, die den Weg nach Paris versperren soll, Zeit findet, in Stellung zu gehen. Obwohl er erst einen Teil der Einheiten der 4. Kürassierdivision erhalten hat, geht Oberst de Gaulle mit 80 Panzern zu einem ersten Angriff über, mit dem er den deutschen Panzerdivisionen die Verbindungslinien abzuschneiden versucht. Nachdem sie ihre Ziele, darunter auch die Stadt Moncornet, erreicht hat, sieht sich die 4. Kürassierdivision, die keinerlei Unterstützung erhält, angesichts der Ankunft feindlicher Verstärkungen zum Rückzug gezwungen.

Als die anderen Einheiten der 4. Kürassierdivision endlich eintreffen, kann, diesmal mit 150 Panzern, ein neuer Angriff gestartet werden; er erreicht seine ersten Ziele, wird aber dann durch deutsche Kampfflieger und Artillerie gestoppt.

Am 28. Mai geht die 4. Kürassierdivision, deren Kommandeur seit vier Tagen General auf Probe ist, nach einem sehr materialermüdenden Gewaltmarsch von 200 Kilometern zweimal zum Angriff über, um auf der Höhe von Abbeville eine vorgeschobene Stellung des Feindes südlich der Somme zu zerschlagen. Die Operation ist erfolgreich; es gelingt, 400 Gefangene zu machen und die vorgeschobene Feindstellung aufzureiben; wegen der zahlenmäßigen und Artillerieüberlegenheit des Feindes muss allerdings Abbeville ausgespart bleiben. Daraufhin kann der Feind die Somme erst mit Verspätung nördlich von Abbeville überqueren, aber auch der zweite Angriff der 4. Kürassierdivision kommt wegen der zahlenmäßigen feindlichen Überlegenheit vor Abbeville ins Stocken.

Am 6. Juni 1940 wird General de Gaulle eiligst von Ministerpräsident Paul Reynaud nach Paris berufen, wo er als Unterstaatssekretär des Kriegs- und Verteidigungsministeriums auf einen Regierungsposten wechselt.

Damit untersteht Charles de Gaulle nicht mehr der Militärhierarchie.