De Gaulle und die internationalen Währungsbeziehungen

Kaum konnte Frankreich dank des Ausgleichs der Zahlungsbilanz seine Stimme erheben, wies General de Gaulle auch schon auf die Mängel des internationalen Währungssystems hin und versuchte, eine Weiterentwicklung im Sinne größerer Ausgewogenheit zwischen den Staaten in Gang zu setzen.

 

I – Wiederherstellung von Frankreichs Zahlungsbilanz

 

Zu den wichtigsten Anliegen General de Gaulles bei der Rückkehr an die Macht im Jahre 1958 gehört die Wiedergewinnung der durch das Zahlungsbilanzdefizit schwer angeschlagenen Unabhängigkeit Frankreichs.

 

Kaum trägt der Stabilisierungsplan vom Dezember 1958 im Sommer 1959 seine ersten Früchte, da betreibt de Gaulle parallel zur Neubildung der Gold- und Devisenreserven, die zwischen 1958 und 1964 auf 3 Milliarden Dollar steigen, auch die Rückzahlung der Außenschulden. Diese Rückzahlung bezieht sich sowohl auf die letzten, von Frankreich in Anspruch genommenen Ziehungsrechte beim Internationalen Währungsfond als auch auf die während und nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommenen Schulden (Lend-Lease-Schulden und Blum-Byrnes-Anleihe von 1946). 1963 ist die Rückzahlung abgeschlossen.

 

Zur Sicherung der vollen Verfügungsgewalt Frankreichs über seine eigenen Reserven lässt General de Gaulle, dem die Beschlagnahmung der französischen Gold- und Devisenguthaben durch die Vereinigten Staaten während des Krieges im Gedächtnis haftet, sogar das von der Bank von Frankreich bei der Federal Reserve Bank in New York deponierte Gold durch die Kriegsmarine heimschaffen.

 

Nach Wiedererlangung der Stabilität bleibt der Wert des französischen Franc zehn Jahre lang erhalten, bis dann die Maiereignisse von 1968 in der französischen Wirtschaft schwere Ungleichgewichte auslösen.

 

Die massive Anhebung der Löhne und Gehälter und die Kapitalflucht als Folge einer schweren Vertrauenskrise führen unweigerlich zu einer Neufestlegung der Parität des Franc. Ihr verweigert sich General de Gaulle im November 1968, weil er der Auffassung ist, ohne einen genügend strengen Stabilisierungsplan werde die Abwertung des Franc fehlschlagen. Die Abwertung geschieht erst nach seinem Weggang, im August 1969.

 

II – Reform des internationalen Währungssystems

 

In den Jahren, in denen Frankreich zum Gleichgewicht zurückkehrt, verschlechtert sich unablässig die Zahlungsbilanzsituation der USA aufgrund mehrerer Ursachen: Außenhilfe, zunehmende amerikanische Investitionen in der übrigen Welt und insbesondere Europa (einschließlich Frankreichs), unzulängliche Handhabung der Inflation in den Vereinigten Staaten, vor allem aber Kosten des Vietnamkrieges.

 

Aber während die übrigen Ländern ihr Außendefizit in einer Fremdwährung ausgleichen müssen, können es die USA tun, indem sie ihre Gläubiger in Dollar bezahlen, die diese bei sich behalten.

 

Dieses Privileg ergibt sich sowohl daraus, dass seit Kriegsende die Partner der Vereinigten Staaten immer den Dollarmangel („dollar gap“) befürchteten, und weil das internationale Währungssystem von Bretton-Woods dafür sorgt, dass die Goldparität der nationalen Währungen über den Dollar verläuft. Eine Wertsenkung des Dollar im Vergleich zu den anderen Währungen war damit ausschließlich über eine Anhebung des in Dollar ausgedrückten Goldwertes möglich.

 

Nun hatten bereits mehrere Autoren die Asymmetrie dieses Systems gebrandmarkt, insbesondere Robert Triffin 1959, und Jacques Rueff war seit mehreren Jahren ein inbrünstiger Verfechter einer Reform, die insbesondere den Goldpreis anheben sollte. Eine viel unmittelbarer politische Dimension erhält die Brandmarkung jedoch, als sie von einer so starken Persönlichkeit wie General de Gaulle kommt, der zudem im Namen eines Frankreich sprechen kann, das in den USA keine Schulden mehr hat.

 

In einer ersten Phase widersetzt sich General de Gaulle nicht der auch von französischen Experten vorgeschlagenen Suche nach einem internationalen Zahlungsinstrument, das in etwa mit dem Zahlungsmechanismus der Europäischen Zahlungsunion (1950—1958) vergleichbar wäre und gleichzeitig auf dem Gold und einem „Korb“ großer Währungen („kollektive Reserveeinheit“) beruhen und von den Zentralbanken bei den gegenseitigen Zahlungen verwendet würde.

 

Da keine Einigung zustande kam, versteifte General de Gaulle – der bereits, um den Druck auf die USA aufrecht zu erhalten, mehrfach Dollar- in Goldbestände hatte umwandeln lassen – in der berühmten Pressekonferenz vom 4. Februar 1965 seine Haltung und schlug die Rückkehr zum reinen Goldstandard vor.

 

Nun fand zwar seine Dollar-Privilegien-Schelte sehr breite Zustimmung, aber die Notwendigkeit eines ganzen Systems von – wenn sie parallel zum Dollar verlaufen und ihn schließlich ersetzen sollten – zudem fast automatisch eingeräumten Kreditfazilitäten als Ergänzung zum Gold führte dazu, dass sich die Reform des internationalen Währungssystems auf die im Rahmen des Internationalen Währungsfond zu vergebenden Sonderziehungsrechte hin orientierte.

 

Dem ist Frankreich abgeneigt, doch die Ereignisse vom Mai 1968 haben seine Verhandlungsposition erheblich geschwächt. Nach de Gaulles Rücktritt stimmt es der Schaffung der Sonderziehungsrechte zu, bleibt aber hinsichtlich ihrer Erfolgschancen skeptisch; diese Skepsis erwies sich weiteren Verlauf als voll und ganz gerechtfertigt.