De Gaulle, Jean Moulin und der Nationale Widerstandsrat

[vgl. auch: „De Gaulle und der Inlandswiderstand“]

Jean Moulin gelang es, wie ihm General de Gaulle von London aus aufgetragen hatte, in jeder Widerstandsbewegung eine Trennung des militärischen vom politischen Vorgehen durchzusetzen. Das war die notwendige Voraussetzung für die Schaffung einer „Geheimarmee“ durch Verschmelzung der paramilitärischen Formationen der Widerstandsbewegungen in der (bis 1942 unbesetzten) Südzone – „Combat“, Libération“ und „Franc-Tireur“ – mit den fünf Widerstandsbewegungen in der Nordzone [besetztes Gebiet]: „Organisation Civile et Militaire“, „Libération Nord“, „Ceux de la Résistance“, „Ceux de la Libération“ und „Front National“. Zur Übernahme des Kommandos über diese Geheimarmee erklärte sich General Delestraint bereit, der sich somit dem Befehl von General de Gaulle unterstellte, der vor dem Krieg einmal sein Untergebener war.

Gleichzeitig und parallel dazu errichtete Jean Moulin zwei ihm unmittelbar unterstellte technische Dienste: den „Service des Opérations aériennes et maritimes“ (SOAM) [Luft- und Seeoperationen], aus dem später der „Service des Atterrissages et Parachutages“ (SAP) [Landungen und Fallschirmabwürfe] wurde, und den „Service Radio“, kurz WT [Funkdienst]. Des weiteren schuf er zwei eher politisch geprägte Organe: das „Bureau d’Information et de Presse“ (BIP) [Informations- und Pressebüro], eine richtiggehende Untergrund-Presseagentur unter Leitung von Georges Bidault und dem für die Vorbereitung der anlässlich der Befreiung zu ergreifenden legislativen und administrativen Maßnahmen zuständigen „Comité Général d’Etude“ (CGE) [Generalstudienkomitee]. Und schließlich gelang es Jean Moulin, im „Rat des Nationalen Widerstands“ die Vertreter der acht wichtigsten Widerstandsbewegungen, der beiden im Untergrund wiedererrichteten Gewerkschaftszentralen (CGT und CFTC) sowie der sechs politischen Parteien oder Denkströmungen zu vereinigen, die in der III. Republik eine Parlamentsfraktion gestellt hatten (Kommunisten, Sozialisten, Radikale, Volksdemokraten, Demokratische Allianz und Republikanischer Bund).