De Gaulle in der Bundesrepublik Deutschland (4.-9. September 1962)

DR

Vom 4. bis 9. September 1962 bereist General de Gaulle die Bundesrepublik Deutschland und antwortet so auf Adenauers Besuch in Frankreich vom Juli. Auf allen Stationen seiner Reise wird de Gaulle von Menschenmengen herzlich empfangen, die auf diese Weise den politischen Willen der beiden Regierungen bekräftigen.

Nach seiner Ankunft in Köln am 4. September führt de Gaulle in Bonn ein Gespräch mit Bundespräsident Heinrich Lübke. Bei einem Diner in Schloss Augustusburg bei Bonn wirbt der Staatspräsident erneut für einen „Zusammenschluss“ der beiden Nachbarstaaten.. Am Ende ihrer Gespräche sind sich Adenauer und de Gaulle einig, ihre Außen-, Verteidigungs- und Erziehungspolitik künftig zu koordinieren; dies soll schriftlich vereinbart werden.

Am 5. September hält de Gaulle eine Ansprache vom Balkon des Bonner Rathauses, in der er „das große deutsche Volk“ würdigt und von einer großen Menge begeistert gefeiert wird. Der Daily Mirror bemerkt dazu: „Heute haben die langjährigen Feinde das Kriegsbeil begraben.“ Anschließend besucht der Staatspräsident den Kölner Dom, bevor er nachmittags bei Adenauer daheim in Rhöndorf zu Gast ist.

Mit einer Schifffahrt den Rhein hinab nach Düsseldorf setzt de Gaulle die Reise fort. Weiter geht es nach Duisburg, wo er sich auf Deutsch an die Arbeiter der Thyssen-Werke wendet. Am 7. September verlässt de Gaulle das Rheinland in Richtung Hamburg. In der großen Metropole und einstigen Hansestadt spricht er vor der Handelskammer und vor Stabsoffizieren der Führungsakademie der Bundeswehr. Nach einer weiteren Station in München beschließt de Gaulle seine wahrhaft triumphale Reise, bei der er überall mit öffentlichem Jubel empfangen worden ist, am 9. September in Ludwigsburg bei Stuttgart. Im Schlosshof des Herzogs und späteren Königs von Württemberg wendet er sich mit Nachdruck an die deutsche Jugend: „Ich beglückwünsche Sie [...], junge Deutsche zu sein, das heißt Kinder eines großen Volkes.“ Er ermutigt die jungen Deutschen, die Anstrengungen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreichs auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zusammenarbeit zu unterstützen.