Das Werden Europas, 1945-1958

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt 1945 ein zerstörtes Europa mit mehr als 60 Millionen Toten und 20 Millionen heimatlosen Menschen. Von 1947 an teilt der Kalte Krieg den Kontinent in zwei gegensätzliche Lager – in die von den USA unterstützten freiheitlichen Demokratien im Westen und die von der Sowjetunion abhängigen sozialistischen Diktaturen im Osten. Vor diesem Hintergrund findet die Idee einer Einigung Westeuropas breiten Anklang.

 Der Aufbau eines geeinten Europa macht 1950 einen entscheidenden ersten Schritt, als Jean Monnet einen Zusammenschluss der europäischen Schwerindustrien vorschlägt. Der französische Außenminister Robert Schuman greift den Gedanken auf. 1951 entsteht die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS); sie besteht aus sechs Mitgliedern: Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Italien.

Ebenfalls von 1950 an wird an der Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) gearbeitet, die wie die EGKS supranational verfasst sein soll. Doch wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ruft dieses Projekt vor allem in Frankreich zahlreiche Widerstände hervor, zumal die französischen Truppen in Indochina gebunden sind. Die EVG wird deshalb 1954 aufgegeben.

Das „Projekt Europa“ erholt sich rasch von diesem Rückschlag; weitere Verhandlungen beginnen. Sie führen am 25. März 1957 zur Unterzeichnung der Verträge von Rom durch die sechs Mitgliedstaaten der EGKS. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) entsteht.