Das Lothringer Kreuz

 

© Fondation Charles de Gaulle / Philippe Lemoine

Herkunft:

Das häufig auch Kreuz von Anjou oder Kreuz von Anjou-Lothringen genannte Emblem wurde im Siegel der Herzöge von Anjou geführt, die ab 1473 [René II. (1451—1508), Sohn von Jolande von Anjou] Herzöge von Lothringen wurden.

     Es stellt ein Reliquiar dar, das einen Splitter des echten Kreuzes Christi enthält, und wurde von den (Lehens-) Herzögen von Anjou seit Ludwig I. (1339—1384) verehrt, der es auf sein Banner sticken ließ. Das Reliquiar trug zwei Querbalken.

     König René, Enkel Ludwigs I. und durch Eheschließung Herzog von Lothringen, benutzte ebenfalls das Kreuz von Anjou, das nun den Hals der Waffenadler zierte; daher schmückte das Lothringer Kreuz die Wappen (aber nicht die Blasons) der Herzöge von Lothringen und tauchte in Frankreich zur Zeit der Liga als Symbol der Guisen auf.

 

 

Freies Frankreich:

Admiral Georges Thierry d’Argenlieu sorgte 1940 für die Übernahme des Lothringer Kreuzes durch das Freie Frankreich. Er schrieb an de Gaulle, für den Kampf gegen das Hakenkreuz benötigten die Freien Franzosen ein Kreuz. Mit Generalbefehl vom 3. Juli 1940 schuf der zwei Tage zuvor zum Oberbefehlshaber der Freien Französischen See- und Luftstreitkräfte ernannte Admiral Emile Muselier (1882—1965) für die französischen Streitkräfte, die sich de Gaulle angeschlossen hatten, einen Wimpel (blaues Quadrat mit rotem Lothringer Kreuz in der Mitte als Kampfansage ans Hakenkreuz), für die Flugzeuge eine Kokarde mit dem Lothringer Kreuz.

     Muselier stammte aus Lothringen, und auch das Wappen des 507. Panzerregiments, das Oberst de Gaulle bei Kriegsausbruch befehligte, zeigte das Lothringer Kreuz. Der Wimpel wurde zwei oder drei Monate später verändert; er war zu dunkel geraten. In der endgültigen Form war er blau-weiß-rot; das Weiß war rautenförmig und enthielt ein rotes Lothringer Kreuz (ohne Eicheln). Auch die künftigen Schiffe der Kriegsmarine, die den Namen eines ehemaligen Schiffes der Freien Französischen Streitkräfte tragen, wurden mit dieser Flagge versehen.

     Anschließend machten sich alle Freien Franzosen das Symbol zu eigen, das auf zahllosen, unter de Gaulles Regierung (1940—1946 und 1958—1969) geschaffenen Ehrenzeichen (u.a. dem von de Gaulle getragenen aus Email), Monumenten und Briefmarken prangt, insbesondere aber auf dem in Brazzaville am 16. November 1940 gestifteten „Orden der Befreiung“ und der mit Dekret vom 4. April 1946 geschaffenen Gedenkmedaille für freiwilligen Dienst im Freien Frankreich.

     1972 wurde das Lothringer Kreuz als Grabmal für Charles de Gaulle in Colombey-les-Deux-Eglises (Haute-Marne) ausgewählt. Auf den offiziellen Siegeln der V. Republik taucht es nicht auf (für sie wurde das Motiv der sitzenden Freiheit mit Liktorenbündel beibehalten).