Biografie Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876—1967)

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Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln als Sohn einer kleinbürgerlichen katholischen Familie (sein Vater war Gerichtsschreiber) geboren und ergriff nach dem Studium an den Universitäten München und Bonn den Beruf des Rechtsanwalts. In die Politik gelangte er über die katholische Zentrumspartei, die seit ihrer Gründung im Jahre 1870 stets föderalistische Themen verfocht und die Allmacht des preußischen Staates ablehnte. Durch Vermittlung seines Arbeitgebers, des Rechtsanwalts Kausen, gelangte er 1906 als erster Beigeordneter in den Rat der Stadt Köln und wurde 1917 Oberbürgermeister. Damit ging schon vor dem Ersten Weltkrieg eine klare politische Bekanntheit einher, denn die Bürgermeister der rheinländischen Städte besaßen erhebliche Vollmachten und wurden jeweils für zwölf Jahre gewählt. In der Weimarer Republik setzte sich Adenauers glänzende Karriere fort: 1921 wurde er zum Präsidenten des Preußischen Staatsrates gewählt; 1929 erneut zum Oberbürgermeister von Köln. Im Zentrum nahm er eine führende Rolle ein und war zweimal, 1922 und 1926, auch als möglicher Kandidat für den Posten des Reichskanzlers im Gespräch. Wegen seiner ausgeprägten Gegnerschaft gegen die Nazis wurde er wenige Wochen nach Hitlers Machtergreifung von Göring abgesetzt. 1934 wurde er von den Nazis verhaftet, erhielt Wohnverbot in Köln und wurde in seinem Haus in Rhöndorf bei Bonn unter Hausarrest gestellt. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler wurde er 1944 erneut von der Gestapo verhaftet. Im März 1945 setzten ihn die amerikanischen Militärbehörden wieder als Oberbürgermeister von Köln ein; ein britischer General setzte ihn jedoch wegen „administrativer Unfähigkeit“ ab, vermutlich, weil er den mittlerweile Siebzigjährigen für die Aufgabe für zu alt hielt. 1948 wird Adenauer Präsident des mit der Ausarbeitung des Grundgesetzes beauftragten Parlamentarischen Rates. Nachdem er 1949 die Leitung der von ihm selbst mit geschaffenen Christlich-Demokratischen Union (CDU) übernommen hatte, wurde er am 15. September 1949 zum ersten Bundeskanzler gewählt. Er wird vier Mal in Folge in diesem Amt bestätigt und nimmt es insgesamt vierzehn Jahre lang wahr; bis 1955 versah er in Personalunion auch das Amt des Außenministers. Aufgrund des großen Vertrauens, das er im Volk genießt, kann er es für seine Vision einer fest im atlantischen Block verankerten, in ein vereintes Europa integrierten Bundesrepublik Deutschland gewinnen, die ihm in einer vom Kalten Krieg gekennzeichneten Welt als einzig mögliche Lösung erscheint. So bringt dieser „Gründungsvater Europas“ sein Land in das große Vorhaben der Europäischen Einigung ein, die nach der Verabschiedung des Vertrages über die Montanunion im Jahre 1951 zur Unterzeichnung der Römischen Verträge von 1957 führt. Die Ablehnung des Entwurfs einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) durch das französische Parlament im Jahre 1954 ist für ihn ein herber persönlicher Rückschlag, aber es gelingt ihm, sein Land schrittweise zur vollen Souveränität zu führen. Schon im Mai 1952 wird das Besatzungsstatut durch den Pariser Vertrag aufgehoben, 1955 erhält die Bundesrepublik das Recht auf Wiederbewaffnung im Rahmen der NATO. Gleichzeitig verfolgt Adenauer eine Politik der Verständigung mit Frankreich, die bereits im Rahmen des europäischen Aufbaus einsetzt, mit der Rückkehr von General de Gaulle aber neuen Aufschwung erhält. Die anlässlich des Besuchs des Bundeskanzlers in Colombey-les-Deux-Eglises eingeleitete und von der engen Freundschaft zwischen den beiden Männern getragene Aussöhnung mit Frankreich wird mit der Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Vertrages am 22. Januar 1963 besiegelt. Am 10. Oktober 1963 tritt Adenauer als Bundeskanzler zurück und gibt 1966 auch den Bundesvorsitz der CDU auf. Konrad Adenauer stirbt im Alter von 91 Jahren am 19. April 1967 in seinem Haus in Rhöndorf und ist auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.