Adenauer in Frankreich (2.-8. Juli 1962)

 

DR

Konrad Adenauer hat Frankreich schon rund ein Dutzend Mal bereist. Im Juli 1962 aber handelt es sich um seinen ersten Staatsbesuch. Er soll zu einer herausragenden Demonstration der deutsch-französischen Aussöhnung werden. Die französischen Kommunisten kritisieren dieses Vorhaben zwar heftig und sehen in Adenauer ein Symbol des „deutschen Militarismus“. Es gelingt ihnen jedoch nicht, die Reise des Bundeskanzlers zu stören.

Von de Gaulle am Flughaften Orly wie ein Staatsoberhaupt empfangen, trifft Adenauer am 2. Juli 1962 in Paris ein. Die Stadt ist mit deutschen und französischen Fahnen beflaggt, der Kanzler wird von der Nationalgarde begleitet. Empfänge und Galaabende zu Ehren des Bundeskanzlers, namentlich im Elysée-Palast, im Rathaus, in Versailles und in der Oper, folgen einander.

 

 

Mit Blick auf die aktuellen politischen Fragen regt Adenauer bereits am 3. Juli 1962 „eine Vereinbarung für wechselseitige Konsultationen besonders hinsichtlich des kommunistischen Problems” an. Daraufhin schlägt de Gaulle am 5. Juli ein regelrechtes Zweierbündnis zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland vor. Ein gemeinsames Kommuniqué hält die Gefühle der beiden Männer fest: „Der Besuch Bundeskanzler Adenauers in Frankreich [...] bezeugt erneut die zwischen Frankreich und Deutschland eingetretene Versöhnung. [...] Sie wird die wünschenswerte Entwicklung im Sinne einer echten und dauerhaften Entspannung fördern. [...] Jeder Franzose und jeder Deutsche muss mit allen Kräften zu dem großen gemeinsamen Werk beitragen [...]. Dieser Appell richtet sich vor allem an die Jugend der beiden Völker.“

Der Bundeskanzler möchte auch die französischen Regionen besser kennenlernen. Er reist daher am 6. Juli nach Rouen und am folgenden Tag nach Bordeaux. Dort wird er von Bürgermeister Jacques Chaban-Delmas empfangen, der zugleich auch Präsident der französischen Nationalversammlung ist. Am Morgen des 8. Juli stößt de Gaulle in der Champagne zum Kanzler. In Mourmelon nehmen die beiden Staatsmänner eine Militärparade ab, bei der deutsche und französische Truppen Seite an Seite vorbeimarschieren. Anschließend begeben sie sich nach Reims, um in der Kathedrale die Messe zu besuchen. In diesem Gebäude wurden nicht nur acht Jahrhunderte hindurch die Könige von Frankreich gesalbt; aufgrund der Bombardierung durch deutsche Truppen 1914 ist es auch ein Denkmal des nationalen Martyriums. Hier die deutsch-französische Aussöhnung zu feiern, ist von starker Symbolkraft. Vor dem Abschied von seinem Gast drückt de Gaulle im Rathaus von Reims seine Freude über die öffentliche Anerkennung aus, die Adenauer auf jeder Station seiner Reise gefunden habe: „Ja, um die große europäische und weltweite Aufgabe, die Germanen und Galliern gemeinsam gestellt ist, mit Leben zu erfüllen, war es nötig, dass die Volksseele auf dieser Seite des Rheins ihre Zustimmung demonstrierte. […] Dies geschah in eindringlicher Weise.“