4. Juni 1958 - Rede in Algier

 

INA

Ich habe euch verstanden!
Ich weiß, was hier vorgegangen ist. Ich sehe, was ihr tun wolltet. Ich erkenne den Weg, den ihr in Algerien eingeschlagen habt, als den der Erneuerung und der Brüderlichkeit.

Erneuerung in jeder Beziehung. Sehr zu Recht wolltet ihr dort beginnen, wo sie ihren Ursprung hat, nämlich bei unseren Institutionen, und darum bin ich hier. Brüderlichkeit, weil ihr das herrliche Schauspiel bietet, bei dem alle ungeachtet ihrer Gemeinschaftszugehörigkeit in derselben Inbrunst miteinander kommunizieren und einander die Hand reichen.

Nun denn! Von alledem nehme ich im Namen Frankreichs Kenntnis und erkläre, dass Frankreich von diesem Tag an in ganz Algerien nur eine einzige Kategorie von Bewohnern erkennt: Es gibt nur Franzosen im Vollsinne, Franzosen im Vollsinne, mit denselben Rechten und denselben Pflichten.

Das bedeutet, Wege zu öffnen, die bisher vielen verschlossen waren.

Es bedeutet, denen die Mittel zum Leben zu geben, die sie bislang entbehrten.

Es bedeutet, denen die Würde zuzuerkennen, die man ihnen bestritten hat.

Es bedeutet, denen ein Vaterland zuzusichern, die zweifeln konnten, ob sie denn eines besäßen.

Die Armee, die kohärente, inbrünstige, unter den Befehlen ihrer Führung disziplinierte französische Armee, diese unter so vielfältigen Bedingungen bewährte Armee, die hier zugleich ein großartiges Werk der Verständigung und Befriedung vollbracht hat, diese französische Armee war der Gärstoff und Zeuge und ist der Garant der Bewegung, die sich auf diesem Boden entwickelt hat.

Sie hat es verstanden, den Sturzbach einzudämmen, um seine Energien nutzbar zu machen. Ich würdige sie dankbar. Ich spreche ihr mein Vertrauen aus. Ich zähle auf sie, heute und morgen.

Franzosen im Vollsinne in ein und demselben Kollegium! Das werden wir in spätestens drei Monaten bei der feierlichen Gelegenheit unter Beweis stellen, wenn alle Franzosen, einschließlich der zehn Millionen Franzosen von Algerien, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden haben.

Die Stimmen dieser zehn Millionen Franzosen werden gleich viel zählen wie die Stimmen aller anderen.

Zusammen mit allen anderen Franzosen werden sie ihre öffentlichen Vertreter, ich wiederhole es, in einem einzigen Kollegium zu bestimmen, zu wählen haben.

Mit diesen gewählten Vertretern werden wir sehen, wie das Weitere geschehen soll.

Ah! Mögen alle eure Städte, alle eure Douars, alle eure Ebenen und Dschebels in Massen an dieser gewaltigen Demonstration teilhaben! Mögen auch jene mitmachen, die aus Verzweiflung auf diesem Boden einen Kampf glaubten führen zu müssen, den ich als mutig bezeichne - denn an Mut fehlt es nicht auf dem Boden Algeriens -, der mutig ist, sage ich, aber dennoch grausam und brudermörderisch!

Ja, diesen öffne ich, de Gaulle, die Pforten der Versöhnung.

Nie habe ich mehr als hier und nie mehr als an diesem Abend begriffen, wie schön, wie groß, wie freigebig Frankreich ist!

Es lebe die Republik!

Es lebe Frankreich!