27. Oktober 1940 - Von Brazzaville aus verbreitetes Manifest

General de Gaulle leitet die französischen Kriegsanstrengungen. Errichtung eines Verteidigungsrates des Empire. Aufruf zum Krieg für die Wiederherstellung des Rechts.

Frankreich durchläuft die schlimmste Krise seiner Geschichte. Seine Grenzen, sein Weltreich, seine Unabhängigkeit, ja seine Seele sind von Zerstörung bedroht.

Zufallsregierende haben, einer unentschuldbaren Panik nachgebend, das Gesetz des Feindes akzeptiert, dem sie jetzt unterliegen. Doch zahllose Beweise zeigen, dass das Volk und das Weltreich die grausame Knechtschaft nicht hinnehmen. Tausende Franzosen oder französische Untertanen haben beschlossen, den Krieg bis zur Befreiung fortzusetzen. Millionen und Abermillionen weitere wollen es ihnen nachtun und warten nur darauf, dafür des Namens würdige Anführer zu finden.

Es gibt keine wirklich französische Regierung mehr. In der Tat ist das Gebilde in Vichy, das diesen Namen zu tragen vorgibt, verfassungswidrig und dem Eindringling hörig. Geknechtet, wie es ist, ist dieses Gebilde nichts anderes und kann nichts anderes sein als ein von den Feinden Frankreichs gegen die Ehre und Interessen des Landes benutztes Instrument.

Mithin muss ein neuer Träger der Macht die Aufgabe übernehmen, die französischen Kriegsanstrengungen zu lenken. Die Ereignisse tragen mir diese heilige Pflicht auf, ich werde mich ihr nicht entziehen.

Ich werde meine Vollmachten im Namen Frankreichs und einzig zu seiner Verteidigung ausüben, und ich verpflichte mich feierlich, über mein Handeln den Vertretern des französischen Volkes Rechenschaft abzulegen, sobald dieses die Möglichkeit hat, sie frei zu bestimmen.

Zu meiner Unterstützung bei der Erfüllung meiner Aufgabe setze ich mit heutigem Datum einen Verteidigungsrat des Empire ein. Dieser Rat aus Männern, die über französische Besitzungen Autorität ausüben oder die höchsten geistigen und moralischen Werte der Nation in sich vereinigen, vertritt bei mir das Land und das Weltreich, die um ihre Existenz kämpfen.

Ich rufe alle Männer und Frauen der französischen Besitzungen, die sich mir angeschlossen haben, zum Krieg auf, das heißt zu Kampf und Opfer. In engem Verein mit unseren Verbündeten, die fest gewillt sind, zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit und Größe Frankreichs beizutragen, gilt es nunmehr den Teil des nationalen Erbes, der sich in unserer Hand befindet, gegen den Feind oder seine Hilfstruppen zu verteidigen; es gilt, den Feind überall anzugreifen, wo dies möglich ist, und dazu alle unsere militärischen, wirtschaftlichen und moralischen Ressourcen einzusetzen, es gilt, die öffentliche Ordnung zu wahren und Recht und Gerechtigkeit zu üben.

Diese große Aufgabe erfüllen wir für Frankreich in dem Bewusstsein, ihm damit einen guten Dienst zu erweisen, und in fester Siegesgewissheit.