24. Dezember 1941 - Weihnachtsbotschaft über Radio London an die Kinder Frankreichs

DR

Welches Glück für mich, meine Kinder, dass ich an diesem Weihnachtsabend zu euch sprechen kann. Ach ich weiß, dass heute für die Kinder Frankreichs nicht lauter Fröhlichkeit herrscht. Trotzdem möchte ich euch von Stolz, Ruhm und Zuversicht sprechen.

Es war einmal - Frankreich! Nationen, müsst ihr wissen, sind wie Damen, mehr oder weniger schön, gut und brav. Doch unter den Damen Nation war nie eine schöner, besser, braver als unsere liebe Frau Frankreich. Freilich, Frankreich hat einen brutalen, abgefeimten, eifersüchtigen Nachbarn - Deutschland. Dieses von Stolz und Bosheit trunkene Deutschland hat sich eines schönen Tages in den Kopf gesetzt, die Nationen um sich herum in die Sklaverei zu zwingen. Also setzte es im August 1914 zum Angriff an.

Doch Frankreich konnte es an der Marne und dann in Verdun aufhalten. Außerdem hatten andere große Nationen - England, Amerika - die Zeit, ihm zu Hilfe zu eilen. Da brach Deutschland, ohne dass jemand in sein Land einfiel, ganz plötzlich zusammen. Es ergab sich dem Marschall Foch. Es bat um Pardon. Heulend versprach es, das nie wieder zu tun. Es besaß noch riesige intakte Armeen, aber es gab keinen einzigen Deutschen - keinen einzigen! - der nach der Kapitulation auch nur noch einen Schuss abgegeben hätte.

Daraufhin trennten sich die siegreichen Mächte und gingen wieder ihren Geschäften nach. Darauf hat Deutschland nur gewartet. Es nutzte diese Naivität aus und organisierte sich für neue Invasionen. Bald schon fiel es wieder über Frankreich her. Und diesmal gewann es die Schlacht.

Der Feind und seine Freunde behaupten, es sei nur recht, wenn unsere Nation geschlagen wurde. Aber die französische Nation, das sind eure Papas und Mamas, eure Brüder und Schwestern. Dass sie nicht schuld sind, das wisst ihr, meine Kinder. Wenn unsere Armee geschlagen wurde, dann nicht, weil es ihr an Mut oder Disziplin gefehlt hat. Sondern weil ihr Flugzeuge und Panzer fehlten. Heutzutage passiert nämlich alles mit Maschinen, und Siege lassen sich nur mit Flugzeugen, Panzern, Schiffen - lauter Kriegsmaschinen - erringen. Nur: Trotz dieser Niederlage gibt es immer noch französische Truppen, Kriegs- und Handelsschiffe, französische Geschwader, die den Kampf fortsetzen. Ich kann euch sogar sagen, dass sie immer zahlreicher werden und man in der ganzen Welt darüber spricht, was sie für den Ruhm Frankreichs tun.

Denkt an sie, betet für sie, denn das sind, ich versichere es euch, sehr gute und tapfere Soldaten, Matrosen und Flieger, die euch, wenn sie heimkehren, ganz ungewöhnliche Geschichten erzählen werden. Und sie kommen bestimmt wieder als Sieger heim, denn unsere Verbündeten, die Engländer und die Russen, haben jetzt sehr mächtige Streitkräfte, von denen, die die mit uns verbündeten Amerikaner aufstellen, ganz zu schweigen. Die Deutschen werden nicht mehr die Zeit haben, alle diese Streitkräfte zu zerstören, weil nämlich jetzt in England, in Russland, in Amerika unermessliche Mengen Flugzeuge, Panzer und Schiffe gebaut werden. Ihr werdet eines Tages erleben, wie diese ganz mechanische Macht die kleinlaut gewordenen Deutschen zerschmettert, und ihr werdet erleben, wie sich, während sie auf unserem Territorium zurückweichen, wieder eine große französische Armee erhebt.

Meine lieben Kinder Frankreichs, ihr habt Hunger, weil der Feind unser Brot und unser Fleisch wegisst. Ihr habt kalt, weil der Feind unser Holz und unsere Kohle stiehlt, ihr leidet, weil der Feind euch sagt und andere zu euch sagen lässt, ihr seid Söhne und Töchter von Besiegten. Ich aber gebe euch ein Versprechen, ein Weihnachtsversprechen. Liebe Kinder Frankreichs, bald werdet ihr Besuch bekommen - der Sieg kommt euch besuchen. Oh, was werdet ihr staunen, wie schön er ist!...