15. Mai 1958 - Erklärung

Am 13. Mai 1958, vier Wochen nach dem Sturz der Regierung Félix Gaillard, hat Pierre Pflimlin die Nationalversammlung um das Vertrauen für die von ihm zu bildende Regierung gebeten. Am selben Tag endete eine Demonstration der Anhänger eines französischen Algerien mit der Besetzung des Palastes des Generalgouvernements und der Ausrufung eines „Komitees des öffentlichen Wohls“. Am Morgen des 14. Mai erhielt Pflimlin das Vertrauen der Nationalversammlung und übertrug die Vollmachten in Algerien an den Oberbefehlshaber der Truppen, General Salan, obwohl dieser dem von den Demonstranten errichteten „Komitee des öffentlichen Wohls“ zugestimmt hatte. Angesichts dieser Ereignisse bricht General de Gaulle sein jahrelanges, selbstauferlegtes Schweigen.

Der Verfall des Staates führt unweigerlich zur Entfremdung der mit uns verbundenen Völker, zur Unruhe in der kämpfenden Armee, zur nationalen Spaltung, zum Verlust der Unabhängigkeit. Seit zwölf Jahren ist Frankreich, das mit Problemen ringt, die für das Parteienregime zu schwer sind, in diesen katastrophalen Prozess verwickelt.

Einst setzte das Land sein innerstes Vertrauen in mich, damit ich es ungeteilt zum Heil führe.

Heute soll es angesichts der ihm erneut bevorstehenden Prüfungen wissen, dass ich mich bereit halte, ein weiteres Mal die Vollmachten der Republik zu übernehmen.